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Anrede von Dom und Sub

14. August 2021

von Michael

Ja, Herr / Wie ihr wünscht, Gebieterin

Ich habe vor kurzem in einem geschäftlichen Gespräch jemandem gesagt „Du kannst mich ruhig duzen.“

„Oh ich dachte, Du bist ein Dom und deswegen bin ich ja verpflichtet zu siezen“ war die Antwort und ich war erstmal baff. Da war die junge Dame von ihrem ehemaligen Dom erzogen worden, andere Dominante zu siezen.

Das brachte mich dazu, über

Anreden, Titel und das Siezen

nachzudenken.

Grundsätzlich kann das ja nun jeder halten wie er will. Wenn ich möchte das Sabine mich zukünftig als „Lord Hidigeigei der siebenundzwanzigste“  anredet, dann muss ich das als Regel in unserer BDSM Beziehung aufstellen und darauf achten, dass diese Regel eingehalten wird. Verlockend sicher, aber – nein danke.

Ich war selbst über ein Jahrzehnt Subbie bei meiner ersten Frau. Da dies in einer Zeit war bevor wir viele der heute üblichen Begriffe aus dem BDSM Bereich  überhaupt gehört hatten, sind wir da locker hineingewachsen.

Von der Partnerin zur Domina

Meine ehemalige Frau begann, nebenberuflich als professionelle Domina  zu arbeiten. Dadurch kamen auch neue Einflüsse auch in unsere Beziehung. Teil ergab sich das durch die Kunden meiner Frau. Das Siezen wurde ausprobiert. Zuerst ihr gegenüber, eine Zeitlang auch den anderen aktiven Damen im selben Studio und vier Wochen später was das Thema vom Tisch. Selbst das Siezen es auf reine Sessionzeiten zu beschränken schlug fehl, wir konnten beide nichts damit anfangen. Die Anrede „Lady Monika“ war am Anfang unserer Beziehung entstanden und war und blieb das, was sie am liebsten hörte.

Sie lernte, das viele Kunden von ihr mit erniedrigenden Ausdrücken belegt werden wollten. Hier war sofort klar, dass sie diese abwertenden Bezeichnungen nicht auf mich übertragen wollte.

Mein „Subbie sein“ beruhte auf meiner Liebe zu ihr. Und diese Liebe war Ihr zu wertvoll um mich mit Schimpfwörtern zu belegen.

Wir kamen z. B. auf den Treffen von Club Caprice in Stuttgart damals auch mit anderen Paaren zusammen. Dann verteidigte sie die Tatsache vehement, dass ich sie Lady Monika nannte und dennoch duzte. Ich war sehr stolz, wenn sie darauf bestand, das ich mit meiner Leistung und Hingabe es mir jeden Tag verdiente sie so zu nennen, wie ich es für angemessen hielt.

Anrede und Toleranz

Interessanterweise gab es tatsächlich immer wieder mal Dominante jeglichen Geschlechts, die es als eine persönliche Herabwürdigung oder gar Frechheit empfanden, dass ich meine Herrin duze. Ich sprach diese Herrschaften auf solchen Fetisch Partys jedoch immer genau so an, wie sie das wünschten.

Selbst vor 40 Jahren war die Toleranz in der doch sehr kleinen Szene nicht so ganz toll.

Hmm, darf ich dann jemanden auffordern mich zu duzen ?

Nun, ich berufe mich auf die Tatsache, dass das kein Fetisch Umfeld war, sondern es um gegenseitige Geschäftsbeziehungen ging.

Auf einer Party… wann wird es wohl wieder Partys geben… seufz… wäre das völlig akzeptabel gewesen.

Duzen oder Siezen sich Paare im Spiel, haben sie Anreden und Titel? Es ist auch schön von Kunden immer mal wieder zu erfahren, dass sie die Bezeichnungen im Spiel im Laufe der Jahre ändern und entwickeln. Die wenigsten Leute leben 24/7, auch wenn es die meisten mal versuchen und ob der massiven Arbeit, die dies erfordert wieder zu den beiden Zuständen “Normal” und “Spiel” zurückkehren.

Oft bringt das gewachsene Vertrauen eines Paares dann irgendwann einen Titel oder eine Anrede hervor, mit der man beim ersten zaghaften Fessel- oder Spankingversuch nie gerechnet hätte. Es ist so, als würden Dom und Sub in das gegenseitige Vertrauen hineinwachsen, das eine Anrede nicht mehr seltsam im Mund klingt, sondern sich irgendwann auch in Kopf und Herz richtig anfühlt. Man muss es sich gemeinsam erarbeiten, verdienen. Und ja – auch der aktive Part muss sich seine Titel erarbeiten. Sicher können Titel verlangt werden, aber erst, wenn das Vertrauen in den dominanten Part gefestigt ist, erhält ein „Ja Gebieterin“ plötzlich mehr Wärme und kommt für beide in der Seele an.

Kunden die mich anrufen zwecks Beratung können also weiterhin getrost „Michael“ und „Du“ sagen, der Titel „Hidigeigei der siebenunzwanzigste“ bleibt weiterhin im Vorratsschrank bis ich mal ein Haustier damit bezeichne, einfach um die Gesichter der Leute zu sehen, wenn ich nach Hund oder Katz rufe.

Habt Spaß da draußen – Euer Michael

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